Systemisches Aufstellen
Die lebendigen Raumbilder
Wir alle tragen bewusst oder unbewusst in uns Bilder von den Themen, die uns umtreiben. Die Besonderheit der systemischen Aufstellungen liegt darin, solche Bilder äußerlich im Raum erfahrbar zu machen, sie lebendig werden zu lassen und positiv zu verändern. Wir sind dann mit ihrer Hilfe „im Bilde“, haben uns ein Bild von der bisherigen Situation gemacht und gewinnen ein neues Bild, das uns stärkt.
Am bekanntesten sind seit den neunziger Jahren die Familien- oder Organisationsaufstellungen geworden. Doch können jegliche Anliegen mit Hilfe von Aufstellungen bearbeitet werden (siehe weiter unten).
Der Weg zum Wesentlichen
Aufstellungen sind ein Weg, um in kürzester Zeit sichtbar zu machen,
- welche Tragweite ein Problem hat,
- was seine Hauptursachen sind,
- was beim Umgang mit ihm bislang gefehlt hat,
- welche Schritte zur Lösung führen und
- wie eine gute Lösung zum Wohl aller Beteiligten aussieht.
Darüber hinaus setzen Aufstellungen Lösungskräfte frei.
Das systemische Herangehen
„Systemisch“ – das bedeutet für uns im Netzwerk vor allem dreierlei:
- Wir begegnen allem, was ist, mit Wertschätzung.
- Wir erkennen an, dass alle Lebewesen und Dinge in größere Zusammenhänge eingebettet sind.
- Wir sind bereit, die vielfältigen Wechselwirkungen zu ergründen und zu verstehen.
Das Wesentliche in der Arbeitsweise
Die beweglichen Raumbilder entstehen dadurch, dass die Klienten/innen mit Unterstützung der Aufstellungsleiter/innen Repräsentanten/innen für die Menschen bzw. Elemente wählen, die zu einem Anliegen gehören, und diese im Raum zueinander in Beziehung stellen. Deshalb spricht man von Auf-Stellungen.
Jeder Platz im gestellten System fühlt sich anders an. Sobald die Stellvertreter/innen ihren Platz eingenommen haben, kommt ein teils sichtbarer, teils unsichtbarer Prozess in Gang, der teils geführt, teils sich selbst organisierend verläuft und in einer neuen Ordnung mündet.
Im Fall einer Krankheit stehen dann z.B. Vertreter/innen für die kranke Person, für die Krankheit selbst und für die Angehörigen im Raum, vielleicht auch Ahnen, die ebenfalls von der Krankheit betroffen waren oder behandelnde Ärzte und Therapieformen. Die Aufstellung zeigt dann z.B. auf, wer alles auf welche Weise mit der Krankheit verbunden ist, wer welche Lasten trägt, wer wem wie nahe steht, welche Beziehungen ungeklärt sind, welchen Sinn die Krankheit hat und unter welchen Bedingungen die Krankheit aufhören bzw. sich verwandeln kann.
Am dynamischsten verlaufen i.d.R. die Aufstellungen mit menschlichen Stellvertretern/innen in der Gruppe. Doch auch in der Einzelarbeit verwendete Symbole wie Kissen, Stühle, Spielfiguren, Spielkarten oder andere Gegenstände, ihre Umstellung und die Hineinversetzung durch Klienten/innen und/oder Therapeuten/innen können sehr schnell Wesentliches aufzeigen.
Die Wertschätzung und Liebe
Systemisches Aufstellen ist für uns Wertschätzung und liebevolles Miteinander in Aktion. Denn Aufstellen bedeutet
- Wertschätzung in inhaltlicher Hinsicht: Wir achten und würdigen alle Elemente, die zu einem Anliegen und System gehören – ob es sich um Informationen, Dinge, Organe, Menschen, andere Lebewesen oder Mutter Erde als ganzes handelt. Am Ende darf im aufgestellten System die erstarrte oder fehlgeleitete Liebe wieder frei fließen.
- Wertschätzung in methodischer Hinsicht: Die gesprochenen Worte, die ausgetauschten Blicke, die Gesten, die Bewegungen und Berührungen, die neu aufgestellten Ordnungen – all diese methodischen Lösungsschritte dienen der gegenseitigen Achtung aller Beteiligten.
- Wertschätzung in sozialer Hinsicht: Wir achten die Klienten/innen mit ihrer Herkunft und ihren Angehörigen, wir lassen den mitwirkenden Stellvertretern/innen Gestaltungsspielraum, wir pflegen die Beziehungen untereinander und sorgen für eine gute Gruppenatmosphäre, wir verstehen uns auch in der Stellvertreterrolle als schöpferische Mitgestalter/innen und wir feiern die Erfolge unseres gemeinsamen Arbeitens.
Das Staunen und die Demut
Immer wieder erfahren wir wunderbare Wirkungen durch Aufstellungen, die das Herz berühren, die Seele erwärmen, den Geist zum Staunen bringen und das Bedürfnis wecken, sich vor dem Großen zu verneigen, das die systemische Arbeit zu behüten scheint. Fünf Dinge wollen wir hier herausheben:
- Gerade Aufstellungsneulinge sind regelmäßig überrascht und erstaunt, wie viele Wahrheiten die Stellvertreter/innen in den für sie fremden Systemen zutage fördern und welche „Wucht“ und wandelnde Kraft die auftauchenden Raumbilder entfalten. Die machtvollen Einsichten bestätigen zum Teil vorhandenes Wissen, doch bringen sie immer auch Verborgenes ans Licht.
- Die Stellvertreter/innen erleben es nicht nur als persönlich lehrreich und gewinnbringend, dass sie für einen bestimmten Platz gewählt wurden, sondern sie bekommen häufig zusätzlich ein größeres oder kleineres Kuchenstück ihrer eigenen Lösung als Geschenk mit nach Hause.
- Systemische Aufstellungen wirken darüber hinaus auf Abwesende. Deshalb kann man von einer „Fernwirkung“ sprechen.
- Immer wieder kommt es zu sehr schnellen Wirkungen oder gar zu Sofortwirkungen, wie wenn manche Informationen geradezu in Lichtgeschwindigkeit auf alle Beteiligten übertragen würden.
- Manchmal darf es auch geschehen, dass eine gewünschte Zukunft durch die Aufstellung „herangezoomt“ wird – z.B. die lang ersehnte Zeugung eines Kindes, der/die Partner/in für die tiefe Herzensverbindung oder der erhoffte wirtschaftliche Durchbruch.
Die spirituelle Qualität
Wir verstehen systemisches Aufstellen als gelebte Spiritualität in, mit und durch den Körper. Unser Körper mit seinen Wahrnehmungen, Empfindungen und Gefühlen ist wie ein Tor zum Reichtum der Welt. Er gewährt uns Einblicke in tiefes Wissen und er erlaubt uns, mit jedem Wesen mitzufühlen und uns in alle erdenklichen Situationen sowie Daseinsformen einzufühlen – vom kleinen Atom bis zum großen Planeten.
So kann es sein, dass Stellvertreter/innen im Laufe der Zeit viele hundert oder auch tausend Ausdrucksformen der Schöpfung am eigenen Leibe erfahren und sich genau dadurch zur vielzitierten „Allverbundenheit“ hin entwickeln.
Systemisches Aufstellen ist eine Art universeller Sprache, die Verständigung zwischen verschiedenen Kulturen, zwischen allen Lebewesen und auch zwischen Geist und Materie ermöglicht.
Die Vielfalt der Anwendungen in Persönlichkeitsentwicklung, Familien, Organisationen und großen Systemen
Systemische Aufstellungen eignen sich nicht nur als Diagnoseverfahren oder Methode zur Aktivierung von Selbstheilungskräften und anderen ungenutzten Potenzialen bei einzelnen Menschen, Familien, Tieren und Pflanzen. Auch Problemlösungen, Lernwege oder die Entwicklung zukunftsträchtiger Produkte, Dienstleistungen und Strategien in Schulen, Betrieben, Behörden, Verbänden und Parteien lassen sich mit Hilfe von Aufstellungen unterstützen. Ähnliches gilt für komplexe technische Systeme, Ökosysteme oder Finanzsysteme.
Im Rahmen unserer Weiterentwicklung als Netzwerk stellen wir zudem fest, welch großen Nutzen systemische Aufstellungen für Teamentwicklung und Projektmanagement haben.
Der besondere Schwerpunkt Erdheilung
In unserem Netzwerk und gemäß unserem Leitbild, das Ganze zu bewegen, betonen wir zunehmend Aufstellungen, die dem Wohl des Großen Ganzen dienen. Beispiele dafür sind Aufstellungen zu besonders belasteten Tier- oder Pflanzenarten, Aufstellungen für gefährdete Wälder, für neue Währungssysteme oder für Kommunen in der Rezession.
Der besondere Schwerpunkt Forschung
Systemische Aufstellungen sind darüber hinaus ein wunderbares Werkzeug zur empirischen Erforschung von Zusammenhängen und grundlegenden Verhaltensmustern in Systemen aller Art. Ideen und Hypothesen lassen sich verblüffend schnell entwickeln oder überprüfen. Auch deshalb wollen wir die systemische Forschung im Netzwerk ausbauen. Aktuelle Forschungsfragen beziehen sich z.B. auf
- Erfolgsblockaden bei Selbstständigen;
- innere und äußere Faktoren, die erklären können, warum manche Menschen ihre Probleme recht leicht lösen und andere nur äußerst mühsam;
- den Beitrag von verschiedenen systemischen Verfahren zur Förderung eines guten Lernklimas in der Schule
- Wechselwirkungen zwischen natürlichen Feldern, Hormonaktivität und Gehirnwellen.
Die Vielfalt der Formen
Wir bieten Aufstellungen an vielen Orten und in vielfältigen Formen an – in Abend-, Tages- oder Wochenendgruppen, in eigenen Lerngruppen, in Einzeltherapie oder auch als sog. „Selbstaufstellung“, als für sich stehende Therapie- und Coachingmethode oder als Ergänzung zu bzw. integraler Bestandteil von anderen Therapie- und Arbeitsformen.